Die zwei Gesichter des Virus

Der zweite Lockdown war eine Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen. Die
verkündeten  Maßnahmen  schreiben  je­ doch nur erneute Einschränkungen be­stimmter Branchen und der Freizeit vor und  sind  keine  grundsätzliche  Antwort auf die steigende Verbreitung des Virus.
Aktuelle  Erkenntnisse  über  Wesen  und Verbreitungswege des Virus zeigen, dass
eine “Durchseuchung” nur vermieden wer­den kann, wenn Infektions­Cluster direkt
nachverfolgt  werden.  Doch  die  Gesund­heitsämter  sind  komplett  überlastet  und
Entscheidungen  über  den  Umgang  mit Infektionen  werden  den  Betrieben  über­lassen. So müssen sogar Kontaktpersonen ersten  Grades  weiterarbeiten,  bis  sie Symptome aufzeigen.

Das alles geschieht auf dem Rücken der arbeitenden Bevölkerung und kleiner Be­triebe. Die verordneten Maßnahmen tref­fen  vor  allem  die  Kulturbranche, außerdem kleine Gastrobetriebe, von de­nen einige bereits aufgeben mussten. Die Insolvenzwelle rollt an.

Der  Lockdown  “light”  war  für  viele  be­reits  ein  schwerer  Einschnitt.  Ihm  folgt
der “harte” Lockdown. Beide sind darauf ausgerichtet,  die  Produktion  aufrechtzu­erhalten  und  dafür  das  gesellschaftliche Leben massiv einzuschränken. Die  Einschränkungen  nehmen  uns  das
Recht auf Erholung und Kultur. Sie wer­den  damit  begründet,  dass  die  Kranken­häuser  nicht  überlastet  werden  dürfen. Der Grund für die drohende Überlastung der  Krankenhäuser  sind  aber  nicht  Kul­turveranstaltungen,  sondern  mangelndes Personal  und  fehlende  finanzielle  Mittel für  unser  Gesundheitssystem.  Daran  ist
nicht der Virus schuld, sondern die kapi­talistische Kürzungspolitik.

Flächendeckende  Testung  sowohl  mit  PCR­Tests  als  auch  mit  Antikörpertests
sind notwendig, um den weiteren Betrieb des  öffentlichen  Nahverkehrs  und  von Schulen,  Betrieben  usw.  zu  garantieren. Ohne kostenfreie Testungen wird die Ver­antwortung für die Verbreitung des Virus auf das Individuum abgewälzt.

 

Die  Bewältigung  des  Gesundheitsnot­standes  kann  nicht  mit  Aufrufen  zur Denunziation  oder  mit  dem  Abzug
kommunaler  Beamter  in  den  Katastro­phenschutz  gelöst  werden.  Ebenso  we­nig  mit  nicht  ausgezahlten
Bonus­Versprechungen  oder  mit  Ap­plaus statt Lohnerhöhungen und Perso­nalaufstockungen.
Anstatt  zur  Denunziation  aufzurufen und die Bundeswehr zur Kontrolle von Abstands­  und  Maskenregelungen  vor Schulen  einzusetzen,  müssen  offen­sichtliche  Infektionsherde  z.B.  in  Lo­gistikzentren,  der  Fleischindustrie  und in der Landwirtschaft geschlossen wer­den. Die unwürdigen Bedingungen, un­ter denen in diesen Branchen geschuftet wird, geht grundsätzlich auf Kosten der Gesundheit  und  Würde  der  dort  arbei­tenden Menschen.
Die Pandemie verstärkt diese Situation. Die  Kolleginnen  und  Kollegen  dürfen damit nicht alleine gelassen werden.